Figuren einer Weihnachtskrippe
Drei Krippenfigurern aus dem Biedermeier
Beschneidung Christi
Jäger
Der Sündenfall
Hl. Antonius der Eremit

KRIPPEN- UND HEILIGENFIGUREN

 

Das Herzstück der sakralen Exponate des St. Johanner Museums stellt eine umfangreiche Sammlung von Krippen- und Heiligenfiguren dar, die 2001 bei den Wiener Kunstauktionen im Palais Kinsky zur Versteigerung angeboten wurden.

Frau Dr. Sàrolta Schredl von der Abteilung Museen und Bibliotheken des Bundesdenkmalamtes Wien wurde auf die aus St. Johann stammende Figurensammlung aufmerksam und empfahl der Marktgemeinde St. Johann in Tirol, die volkskundlich bedeutende Figurensammlung anzukaufen und sie somit wieder an ihren Ursprungsort zurück zu führen. Nachdem die Finanzierung dank großzügiger Unterstützungen durch das Bundesministerium für Wissenschaft und Kultur, Abt. IV/4 und durch die Kulturabteilung des Landes Tirol gesichert war, erwarb die Marktgemeinde die Sammlung für das Museum. Somit konnte wertvolles Kulturgut aus der Region in einer beispielhaften Zusammenarbeit zwischen Wien, Innsbruck und St. Johann sichergestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Die qualitätvollen Krippen- und Heiligenfiguren wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts Stück für Stück von einem Sammler aus der Region St. Johann in Tirol zusammen getragen, wobei er neben Einzelstücken auch Figurenpaare, kleinere Gruppen bzw. mehrere zusammengehörige Figuren kaufte. Derartige Schnitzereien, wie Krippen- und Heiligenfiguren, Kruzifixe und Holzspielzeug wurden damals bei diversen Märkten, wie dem St. Johanner „Fastmarkt“  angeboten. Außerdem sorgten auch Hausierer, so genannte „Kraxenträger“, für die Verbreitung dieser Werke, die in Oberammergau, Gröden und Berchtesgaden, den Zentren der alpenländischen Krippenschnitzerei, erzeugt wurden.

Die Tradition in der Herstellung von Spielzeug und Holzfiguren mit religiösen Motiven reicht in diesen Orten über mehrere Jahrhunderte zurück, und die Waren wurden in zahlreichen Kleinbetrieben hergestellt. In Gröden sind beispielsweise 1810 nicht weniger als 348 Schnitzer nachgewiesen, Oberammergau hatte um 1860 noch über 120 Betriebe. Der Verkauf der in Massen erzeugten Schnitzwaren erfolgte oft durch eigene „Verleger“, die ganz Europa belieferten. So reichten etwa die Oberammergauer Handelsbeziehungen bis nach Norddeutschland, Holland, Skandinavien, ja sogar Russland, und auch die Grödner Schnitzer lieferten ihre Erzeugnisse nachweislich an 130 Plätze in aller Welt.

Die meisten Figuren der Sammlung in unserem Museum wurden in Oberammergau erzeugt, mehrere Stücke sind eindeutig als Grödner Arbeiten erkennbar, und einige Werke stammen aus Berchtesgaden, doch ist die Zuordnung einiger weniger Figuren nach ihrer Herkunft nicht möglich, da es einen regen Austausch zwischen den Werkstätten der drei Orte und viele formale Ähnlichkeiten in Motivwahl und Gestaltungsweise gab. Die Grödner ließen beispielsweise ihrer Erzeugnisse häufig auch in Oberammergau fassen.

Die Zuordnung des größten Teiles der Figurensammlung ist zwar nach deren Herkunftsort möglich, doch können keine einzelnen Künstlerpersönlichkeiten genannt werden, da diese als Erzeuger echter Volkskunst im Hintergrund ihrer Werke standen und somit anonym blieben. Die Herstellung der Figuren erfolgte in kleinen Familienbetrieben, in denen die Arbeitsschritte, wie die Zubereitung des Holzes, das Schnitzen und das Fassen der fertigen Figur unter den Mitarbeitern genau aufgeteilt waren. Jede Werkstätte hatte aber ihre „persönliche Note“, die erst in kleinen Details erkennbar wird. Durch einen direkten Vergleich der einzelnen Figuren mit anderen Sammlungen war es somit möglich, einige Stücke auf gemeinsame Werkstätten zuordnen zu können.

Die Sammlung besteht aus: 96 Figuren, Tieren oder Figurengruppen. Sie sind großteils in Holz geschnitzt und bunt gefasst. Die größte Figur hat eine Höhe von 28 cm, die Kleinste misst gerade 5 cm. Erfreulicherweise ist der Erhaltungszustand der gesamten Sammlung sehr gut, und die Figuren weisen lediglich einige kleinere Altersschäden auf, welche jedoch nicht restauriert wurden, um den typischen Charakter der Figuren nicht zu verfälschen.

Der Bestand der Sammlung kann in drei Themenbereiche aufgeteilt werden, wobei weihnachtliche Darstellungen den größten Teil einnehmen. Darunter befinden sich die Figuren einer kompletten Weihnachtskrippe sowie verschiedene einzelne Krippenfiguren und Figurengruppen aus dem weihnachtlichen Festkreis.

Den zweiten Teil der Sammlung nehmen Passionsszenen ein. Hier finden sich Figuren bzw. Figurengruppen der verschiedenen Kreuzwegstationen sowie eine Reihe von symbolischen Szenen, die auf das Leiden Christi hinweisen.

Drittens finden sich in der Sammlung auch einzelne Heiligenfiguren sowie figürliche Darstellungen von Tieren.