Auf der Karte von Peter Anich (1774) ist das Bergwerk am Rerobichl eingezeichnet
Die Knappen am Rerobichl mussten Schächte nach unten treiben und das Erz aus großen Tiefen zu Tage befördern
Darstellung eines Bergknappen im Schwazer Bergbuch (16. Jahrhundert)
Hl. Daniel, Patron der Bergleute, am rechten Seitenaltar der Dekanatspfarrkirche
Hl. Barbara, Patronin der Bergleute, am rechten Seitenaltar der Dekanatspfarrkirche

DER EHEMALIGE KUPFER- UND SILBERBERGBAU AM REROBICHL


Der Rerobichl bei Oberndorf gehörte bis 1927 zum Gemeindegebiet von St. Johann. Dort wurden nach der Überlieferung im Jahre 1539 Erzvorkommen entdeckt. Innerhalb kurzer Zeit waren auf verhältnismäßig kleinem Raum über 600 Schächte für den Kupfer- und Silberabbau belegt. Diese wurden bald zusammengelegt und von vier Bergwerksgesellschaften betrieben, die bis zu 1.500 Bergknappen beschäftigten.

Die Erzvorkommen mussten in besonders tiefen Schächten abgebaut werden, so war der Heilig-Geist-Schacht Ende des 16. Jahrhunderts mit 778 Metern der tiefste Schacht der Welt. Die Verhüttung des abgebauten Erzes erfolgte im Hüttenwerk der Fugger in Litzelfelden zwischen St. Johann und Kirchdorf.

Nach etwa 50 Jahren Bergbau begannen die Kupfer- und Silbervorkommen abzunehmen, doch durch die Entdeckung von Steinsalz Anfang des 17. Jahrhunderts konnte der Weiterbestand des Bergwerks gesichert werden. Der Bergbau wurde nun vom Landesfürsten übernommen und bis Ende des 18. Jahrhunderts betrieben. In dieser Zeit waren zwischen 300 und 500 Knappen beschäftigt.

Nach der Schließung setzten noch einige Bergknappen den Abbau am Rerobichl auf ihr eigenes Risiko fort, doch mussten sie diesen 1843 wegen des geringen Ertrages endgültig einstellen.

Es folgten Wiederbelebungsversuche in den Jahren 1851-1867, 1908-1916 und zuletzt 1969/70. Die Erzvorkommen befinden sich jedoch in sehr tiefen Zonen, sodass ein neuerlicher Abbau mit zu großem Aufwand verbunden wäre.

Der Erzgehalt in den Kitzbüheler Alpen ist gleichzeitig mit den im Erdaltertum (Paläozoikum) entstandenen Begleitgesteinen deponiert worden und von den späteren Gebirgsbildungen gegen Ende des Paläozoikums und zur Zeit der Alpenentstehung in der Kreide- und Tertiärzeit überprägt worden. Dabei kam es zur Umkristallisation und zur Stoffmobilisation durch Wanderungen von Minerallösungen im Gestein.

Der ehemalige Bergbau am Rerobichl gehört zusammen mit den südlichen Lagerstätten Sinnwell, Schattberg, Jochberg und der Kelchalm einer Vererzungszone an, die vom Mitterberg über das mineralogisch besonders bemerkenswerte Erzvorkommen bei Leogang im wesentlichen bis Schwaz reicht. Die Gesamtausbeute am Rerobichl wird auf 20.000 Tonnen Kupfer und 100 Tonnen Silber geschätzt.

In der Gegend von St. Johann in Tirol sind mehrere Erzvorkommen erschlossen worden:

• die Kupferkies-Fahlerzlagerstätte am Rerobichl.
• Ein Fahlerz- "Hoffnungsbau" im äußeren Eifersbachgraben.
• das Eisenerzvorkommen in Form von Hämatit im äußeren Alpbachgraben.
• die Limonit- (Brauneisenstein-) vererzung im Wendbachgebiet.
• das Rötelvorkommen ( ein erdig ausgebildeter Hämatit ) an der Südseite des Kitzbüheler Hornes.

An Nicht-Erzen waren gelegentlich von Bedeutung:

• das Schwerspatvorkommen an der Südostseite des Kitzbüheler Hornes.
• das gegen Ende des Bergbaues am Rerobichl im 17. Jahrhundert gewonnene Steinsalz aus einer in der Tiefe der Schächte angefahrenen Sole.