Das Wappen des Bistums Chiemsee
Das Bistum Chiemsee bestand aus 10 Altpfarreien
Die Chiemsee-Insel Herrenwörth mit der ehemaligen Stiftskirche bzw. Kathedrale des Bistums
Gewölbedetail der ehemaligen Kathedrale auf der Insel Herrenwörth
Auf dem Balkon des St. Johanner Pfarrhofes, der von 1446 bis 1808 Pastoralresidenz der Chiemseer Bischöfe war, befindet sich das Wappen des Bischofs Ferdinand Christoph von Waldburg-Zeil-Trauchburg
Die Diözesansynode von 1748 in der St. Johanner Dekanatspfarrkriche
Wappen des Chiemseer Bischofs Anton von Wagensperg am Sockel der St. Johanner Nepomukstatue 1717

DIE EHEMAILIGE SOMMERRESIDENZ DER BISCHÖFE VON CHIEMSEE


Im Jahre 1216 gründete der Salzburger Erzbischof Eberhard II. das Suffraganbistum Chiemsee. Anlass für die Neugründung eines ihm unterstellten Bistums war die enorme Ausdehnung des Erzbistums Salzburg, da sich der Erzbischof in entlegenen Gebieten einen eigenen Hilfsbischof vor Ort wünschte und damit die Errichtung von unabhängigen Landesbistümern verhindern wollte.

Die bereits bestehende Stiftskirche des Augustiner-Chorherrenstiftes Herrenchiemsee wurde zur Kathedrale bestimmt, jedoch besaßen die Chiemseer Bischöfe darin nur einen Bischofsthron. Die Stiftskirche blieb Eigentum des Augustiner Chorherrenstiftes, denn durch die Gründung des Bistums Chiemsee durften der Status und die Besitzungen des Stiftes nicht eingeschränkt werden. Der Propst des Stiftes wurde zwar zum Dompropst, und die Chorherren wirkten als Domkapitel, jedoch gab es ständig Kompetenzstreitigkeiten und Rivalitäten zwischen dem Propst des Stiftes und dem Bischof.

1217 legte Erzbischof Eberhard II. dem Bischof von Chiemsee die Verpflichtung auf, im Bedarfsfall nach Salzburg zu kommen, um dort wichtige liturgische Aufgaben gemäß Anordnung zu erfüllen. Dadurch wurden die Bischöfe Kraft auferlegter Verpflichtungen zu Weihbischöfen und Stellvertretern des Metropoliten.

Der Bischof von Chiemsee galt als Lehensmann des Erzbischofs von Salzburg und wurde von diesem nominiert, konfirmiert, konsekriert und investiert. Dadurch fungierte der Chiemseer Bischof als persönlicher Weihbischof des Erzbischofs, von dem er auch weitere Aufgaben auferlegt bekam. Obwohl Bischöfe einer eigenen Diözese, residierten die Chiemseer Bischöfe seit dem 13. Jahrhundert stets in Salzburg, wo sie ab dem 14. Jahrhundert den Chiemseehof (heute Salzburger Landesregierung) bewohnten.

Seit 1231 gehörte der Chiemseer Bischof dem Hofrat des Salzburger Erzbischofs an. Ab 1457 führten die Bischöfe den Fürstentitel, und das Bistum besaß ein eigenes Wappen, das einen schwarzen Adler auf goldenem Grund und einen goldenen Bischofsstab auf rotem Grund zeigte. Der Bischofsstab wurde 1954 als Erinnerung an die kirchenhistorische Bedeutung von St. Johann in das Wappen der Gemeinde St. Johann in Tirol übernommen.

Obwohl sie im Laufe des Mittelalters ihre Kompetenzen ausbauen konnten, blieben die Chiemseer Bischöfe im Vergleich zu anderen Bischöfen stets unter der Hoheit des Metropoliten. Wahl, Ordination und Weihe standen allein dem Erzbischof zu. Reichs- und kirchenrechtlich waren die Bischöfe stets von ihrem Metropoliten abhängig und leisteten beim Amtsantritt den Treue-Eid. Sie waren Vasallen des Erzbischofs und hatten somit Sitz und Stimme auf den Salzburger Landtagen, nicht aber im Reichsfürstenrat.

Anfangs residierten die Chiemseer Bischöfe abwechselnd entweder auf der Chiemseeinsel Herrenwörth oder in Bischofshofen bzw. auf Schloss Fischhorn bei Zell am See. Seit dem Bau des Chiemseehofes in Salzburg Anfang des 14. Jahrhunderts residierten sie als Weihbischöfe beinahe ständig in Salzburg.

Da es auf der Chiemsee-Insel Herrenwörth immer wieder zu Kompetenzstreitigkeiten mit den Pröpsten des dortigen Augustiner Chorherrenstiftes kam und die anderen Residenzen außerhalb des eigenen Bistums lagen, brauchten die Chiemseer Bischöfe unbedingt einen Ort innerhalb ihrer eigenen Diözese, wo sie ungestört ihre Amtsgeschäfte ausüben und Synoden abhalten konnten. Sie mussten ja sozusagen im Ausland residieren, was für einen regierenden Bischof einen unzumutbaren Zustand darstellte. Die laufenden Kompetenzstreitigkeiten mit dem Propst des Stiftes von Herrenwörth sowie die hohe Abhängigkeit vom Salzburger Erzbischof ließen sie verstärkt Versuche anstellen, ihre bischöflichen Zuständigkeiten zu erweitern, dabei stießen sie jedoch auf unüberwindbare Hindernisse.

1446 wurde schließlich die Pfarre St. Johann in Tirol direkt den Chiemseer Bischöfen unterstellt, und der jeweilige Bischof von Chiemsee galt somit gleichzeitig auch als Pfarrer von St. Johann. Auch wenn die Bischöfe dieses Amt zwar nie selbst ausübten und Vikare zu ihrer Vertretung bestellten, konnten sie St. Johann nun zu ihrer Sommer- bzw. Pastoralresidenz machen und hatten endlich einen Ort innerhalb ihres eigenen Gebietes für die Ausübung ihrer bischöflichen Amtsgeschäfte. So fanden in St. Johann in den Jahren von 1463 bis 1748 nachweislich acht Diözesansynoden statt. Mit der Erhebung zum Dekanatssitz 1621 wurde die Sonderstellung der Pfarre St. Johann noch weiter hervorgehoben. Der St. Johanner Dekan stellte nun als höchster Priester im Tiroler Anteil des Bistums Chiemsee einen wichtigen Verbündeten für den Bischof und somit einen mächtigen Gegenpol zum Propst des Stiftes Herrenchiemsee dar.

Bei seiner Gründung 1216 zählte das Bistum Chiemsee 10 Pfarren: Herrenchiemsee, Prien am Chiemsee, Eggstätt, Söllhuben, Grassau, St. Johann im Leukental, Kirchdorf, Söll, Brixen im Thale, St. Ulrich am Pillersee. Nur langsam und in geringem Umfang wuchs es, so dass es 1804 noch immer nur 11 Pfarreien mit 38.818 Katholiken zählte. Hierzu kamen noch 16 Vikariate, 10 Kuratien, 10 Kooperaturen, 11 Kaplaneien und Benefizien, 1 Priesterhaus (in St. Johann - heute Museum), 1 Chorherrenstift (Herrenchiemsee) und 1 Kapuzinerkloster (Kitzbühel). Die Grenzen des Bistums verliefen vom Chiemsee bis zum Pass Thurn und in das Brixental.

Im Zuge der Wirren während der napoleonischen Kriege wurde das Bistum Chiemsee 1808 aufgehoben, nachdem der letzte Bischof, Sigmund Christoph von Waldburg-Zeil-Trauchburg, seinen Amtsverzicht geleistet hatte. Das Gebiet ging mit dem Konkordat von 1817 endgültig in den Erzbistümern Salzburg bzw. München-Freising auf. Das Dekanat St. Johann in Tirol wurde somit wieder wie bereits vor 1216 Teil des Erzbistums Salzburg.

Weitere Informationen zum ehemaligen Bistum Chiemsee finden Sie unter "Journal" in der 12. Ausgabe unserer heimatkundlichen Schriftenreihe "Zwischen Kaiser, Kalkstein und Horn."
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