links: der Wilde Kaiser (nördliche Kalkalpen) rechts: das Kitzbüheler Horn (Grauwackenzone)
Schauwand mit den Gesteinszonen des Gemeindegebietes
Der Wilde Kaiser - Ölgemälde von Siegfried Goldberger

DIE GEOLOGIE DES ST. JOHANNER GEMEINDEGEBIETES


Mit Ausnahme der eiszeitlichen und nacheiszeitlichen Ablagerungen sind die Gesteine des St. Johanner Gemeindegebietes innerhalb eines Zeitraumes von rund 300 Millionen Jahren entstanden. Die Gesteine des Kitzbüheler Horns, wie überhaupt der Kitzbüheler Alpen (Grauwackenzone), stammen aus dem Paläozoikum (dem erdgeschichtlichen Altertum), der kalkalpine Anteil des Gemeindegebietes (Wilder Kaiser) dagegen aus der Triaszeit (dem älteren Teil des erdgeschichtlichen Mittelalters).

Die Gesteine wurden größtenteils im Meer gebildet, die roten Tonschiefer und Sandsteine am Kalkalpensüdrand sind Bildungen von kontinentalem Schwemmland in Meeresnähe. Gegen Ende des erdgeschichtlichen Mittelalters und der anschließenden Tertiärzeit wurden die Gesteine von einer mehrphasigen Gebirgsbildung erfasst. Wiederholte Hebungs- und Abtragungsvorgänge ließen schließlich das heutige Aussehen der Gebirgslandschaft entstehen.

Gesteine des Kaisergebirges
Profil durch des Kaisergebirge
Übersicht der Gesteinszonen des Kaisergebirges
Der Wilde Kaiser

Im Norden des St. Johanner Gemeindegebietes (Wilder Kaiser) kommen folgende Gesteine vor:

Der Mühlbachtonschiefer entstand aus einer Stillwasserablagerung im Bereich eines kontinentalen Schwemmlandes.

Der Buntsandstein wurde als Ablagerung eines verzweigten Rinnensystems in Meeresnähe gebildet.

Die Rauhwacke ist der Rest eines Konglomerates von zertrümmertem Gestein (Brekzie), das durch Minerallösungen verkittet wurde, wobei sich später das Bindemittel als widerstandsfähiger erwies als das ursprünglich zerbrochene Gestein. Durch dessen Herauslösung entstand eine löcherige Beschaffenheit.

Der Wettersteinkalk ist der wichtigste Felsbildner des Wilden Kaisers und entstand aus Ablagerungen in einem warmen Meer (Lagune) unter besonderer Beteiligung von Kalkalgen.

Der Hauptdolomit, ein sehr sprödes Gestein, ist gebietsweise durch die mechanische Beanspruchung bei der Gebirgsbildung zerbrochen.

Der Gutensteiner Kalk entstand aus Meeresablagerungen, welche den Beginn einer längeren Meeresherrschaft anzeigen.

Der Ramsaudolomit bildete sich aus den Ablagerungen eines warmen Flachmeeres von erhöhtem Salzgehalt.

Die Raibler Schichten sind stellenweise fossilreich und entstanden aus unterschiedlichen Sedimenten im Meer als Wechsel von Kalk-, Tonschiefer- und Mergel.

Der Gipfel des Kitzbüheler Horns
OStR Dr. Kurt Jaksch, Ehrenmitglied des Museums- und Kulturvereines St. Johann in Tirol, hat die geologische Präsentation des Museums eingerichtet. Dabei ging es ihm vor allem darum, Verständnis für evolutionäre Abläufe zu vermitteln.

Im Süden des St. Johanner Gemeindegebietes (Kitzbüheler Horn) finden sich die Gesteine der Kitzbüheler Alpen

Der Wildschönauer Schiefer ist eine Meeresablagerung, die infolge späterer Gebirgsbildungen leichte Grade von Gesteinsumwandlung aufweist und unter anderem Glimmerschuppen und Glimmerhäute bildete.

Der Diabas besteht aus am Meeresboden ausgeflossener Basaltlava, die durch spätere Gebirgsbildungen verändert wurde. Dabei entstanden unter anderem die Minerale Chlorit und Epidot, die dem Diabas eine grüne Farbe verleihen.

Der Porphyroid ist ein saures (alkalifeldspat- und quarzreiches) vulkanisches Gestein von der Art des Quarzporphyr, das jedoch nicht aus Lava sondern aus Glutwolken hervorgegangen sein dürfte.

Der dunkle, verkieselte Dolomit ist von Rissen durchsetzt, in denen sich Kalkspat und Eisenkarbonat (unter Verwitterungseinfluss zu rostbraunem Brauneisenstein gebildet) abgesetzt hat.

Der graue und der rote Dolomit bilden den obersten Bereich des Kitzbüheler Horns. Diese Gesteine entstanden ebenfalls aus Meeresablagerungen.


Europa während der letzten Eiszeit

Das Eiszeitalter

Das vor 1,7 Millionen Jahren beginnende Eiszeitalter (Pleistozän) ist durch einen Wechsel von Eiszeiten (Kaltzeiten, Glazialzeiten) und Zwischeneiszeiten (Warmzeiten, Interglazialzeiten) gekennzeichnet. Die letzte Eiszeit, die Würmeiszeit begann vor 115.000 Jahren und endete vor etwa 10.000 Jahren.

Das Alpengebiet war von Eis bedeckt. Nur die Gipfel der höheren Berge ragten aus dem Eismeer. In unserer Gegend waren das die Gipfel des Wilden Kaisers und des Kitzbüheler Horns. Durch den eiszeitlichen Gletscherfluss gelangten Gesteinsfragmente (Geschiebe) aus den südlich gelegenen Hohen Tauern bis in unsere Gegend. Bei uns handelt es sich besonders um den Gneis der Venediger Gruppe, der in Folge seiner Härte den Eistransport am besten überstanden hat. Da der Würmgletscher hier eine Eisdicke von ca. 1200 m erreichte, ist es nicht verwunderlich, dass man Gneisstücke auch auf Hochflächen findet.