Der Landsturm St. Johann in Tirol bei der Jahrhundertfeier 1909

SCHÜTZEN UND FREIHEITSKÄMPFER

Im Zuge der napoleonischen Kriege beteiligten sich auch die Schützen aus St. Johann in Tirol am Tiroler Freiheitskampf der Jahre 1796 bis 1809 .

Unter den herausragenden Persönlichkeiten dieser Zeit sind vor allem die beiden Namensväter der heutigen Feller-Schützenkompanie, Andreas Augustinus Feller, und sein Sohn, Anton Georg Feller, zu erwähnen.


Andreas Augustinus Feller

Andreas Augustinus Feller (1737 – 1820)

Der St. Johanner Brauereibesitzer zog 1796 an der Spitze der Schützen des Gerichtsbezirkes Kitzbühel zur Unterstützung der österreichischen Armee an die schwäbische Grenze. Nach diesem Feldzug erhielt er den Auftrag, fünf Schützenkompanien des Gerichtsbezirkes Kitzbühel neu zu organisieren und in marschfähigen Stand zu setzen.

1797 standen unter seinem Kommando sieben Unterländer Schützenkompanien mit 950 Mann an der Südgrenze Tirols am Nonsberg. Im Jahr 1800 stand er zur Verteidigung der nördlichen Tiroler Grenze in Thierberg bei Kufstein, in  Kössen, im Achental und in Wildbichl bei Niederndorferberg. Insgesamt machte Hauptmann Feller sieben Feldzüge mit.

Die St. Johanner Brauerei Huber erzeugt in Erinnerung an den berühmten Freiheitskämpfer eine Biersorte mit dem Namen "Augustinus", die nach einem historischen Rezept aus jener Zeit gebraut wird, als Feller Besitzer der Brauerei war.


Anton Georg Feller

Anton Georg Feller (1766 – 1819)

Der Sohn von Andreas Augustinus Feller diente 1796 bis 1800 unter seinem Vater und war 1809 zunächst Adjudant des Oberkommandanten der Schützenkompanien des Gerichtsbezirkes Kitzbühel, Major Rupert Wintersteller von Kirchdorf. Feller schaffte aus eigenen Mitteln zwei Kanonen an und kämpfte dann 1809 als Blockadehauptmann vor Kufstein. 

Nach den Freiheitskämpfen übernahm er von seinem Vater die St. Johanner Brauerei, und 1817 erhielt er vom Kaiser als Anerkennung für seinen Einsatz in den Befreiungskriegen eine Gnadenpension von 150 Gulden.

Anton Georg sowie sein Vater, Andreas Augustinus Feller, sind die geistigen Väter und Namensgeber der Feller Schützenkompanie St. Johann in Tirol, die im Jahr 2016 eine Gedenktafel für die beiden Freiheitskämpfer an der Pfarrhofmauer errichten ließ.


Das Denkmal für Dekan Matthias Wieshofer vor dem Dekanatspfarrhof

Dekan Matthias Wieshofer (1783 – 1819)

Matthias Wieshofer war der bedeutendste St. Johanner Dekan, Förderer der Jugend und erster Schulinspektor für das Tiroler Unterland. Als Universalgelehrter, der mehrere Sprachen beherrschte, betrieb er zahlreiche naturwissenschaftliche Studien – vor allem Experimente zur Erforschung der Elektrizität.

Er war maßgeblich an den Aufständen der Tiroler Schützen gegen die bayerische Herrschaft im Jahre 1809 beteiligt, vor allem als Berater des Oberkommandierenden des Gerichtsbezirkes Kitzbühel, Major Rupert Wintersteller aus Kirchdorf. Am 12. September 1809 brannten die französischen und bayerischen Truppen Winterstellers Heimatgemeinde Kirchdorf völlig nieder und marschierten weiter nach St. Johann. Dekan Wieshofer rettete jedoch seine Gemeinde vor der Plünderung und Zerstörung durch die feindlichen Soldaten, indem er allein dem Feind gegenüber trat und um Schonung für St. Johann bat. Die Soldaten wollten ihn schon vor der Kirche exekutieren, als der französische General Lefebvre dazu kam. Wieshofer bat ihn in perfektem Französisch nochmals um Schonung des Ortes. Der General war beeindruckt vom Mut des Priesters und begnadigte ihn. So wurde St. Johann damals dank der Fürsprache seines Seelsorgers nicht wie viele andere Tiroler Gemeinden niedergebrannt.

Heute erinnert noch ein Denkmal vor dem Dekanatspfarrhof an den Erretter des Ortes. Nähere Informationen dazu finden Sie unter "Journal" in der 13. Ausgabe unserer heimatkundlichen Schriftenreihe -->


Joseph Hager

Joseph Hager (1766-1808)

Joseph Hager war Dorfwirt in Oberndorf, das damals noch zu St. Johann in Tirol gehörte. 1800 wurde er Gemeindevorsteher von St. Johann und zum Sturmhauptmann der St. Johanner Scharfschützenkompanie gewählt. Er kämpfte in diesem Jahr mit seiner Kompanie zunächst bei Windhausen und Kufstein, dann bei Unken, Melleck und Schneitzlreith, wo er die feindlichen Truppen nach mehreren Tagen zurück schlagen konnte. 1805 war Hager Oberkommandant der Schützenkompanien des Gerichtsbezirkes Kitzbühel bei den Gefechten am Pass Strub, den er in zweitägigem Kampfe gegen eine französisch-bayerische Übermacht halten konnte. Für seinen Heldenmut erhielt er die große silberne Tapferkeitsmedaille. 1806 beriet sich Hager noch mit Andreas Hofer über die Planung eines künftigen Aufstandes gegen die Fremdherrschaft, doch verstarb er bereits zwei Jahre darauf völlig unerwartet.


Christian Blattl

Christian Blattl (1776-1856)

Blattl wurde am Hof Wilhelmstätt im St. Johanner Ortsteil Winkl geboren und war später Besitzer des Hofes Rain in Fieberbrunn. Er begann seine Schützenlaufbahn 1796 als Korporal und erhielt 1805 besondere Aufmerksamkeit durch seinen außergewöhnlichen Einsatz als Feldwebel bei der Verteidigung des Passes Strub. Für seinen Mut erhielt er zwei silberne Tapferkeitsmedaillen. 1809 wurde er zum Scharfschützenhauptmann von Pillersee ernannt und kämpfte mit seiner Kompanie an der bayerischen Grenze und im Pinzgau, wo er einen wagemutigen Überfall auf ein bayerisches Munitionsdepot unternahm und dadurch den Oberkommandierenden für das Tiroler Unterland, Major Josef Speckbacher mit Blei versorgen konnte. 1834 erhielt er die Konzession als Wirt im Gasthof "Eiserne Hand" in Fieberbrunn.

Eine Gedenktafel neben dem Dechant-Wieshofer-Denkmal an der St. Johanner Pfarrhofmauer erinnert heute noch an den bedeutenden Freiheitskämpfer.

Nähere Informationen zu Christian Blattl erhalten Sie unter "Journal" in der 16. Ausgabe unserer heimatkundlichen Schriftenreihe ->...


Speckbacher und sein Sohn Anderl im St. Johanner Bärenwirtshaus, Ölgemälde von Franz von Defregger aus dem Jahr 1896
1897 wurde eine Erinnerungstafel an Josef Speckbacher am Bärenwirtshaus angebracht und die Straße vom St. Johanner Hautplatz nach Süden "Speckbacherstraße" benannt

Eine berühmte Szene aus den Tiroler Freiheitskämpfen von 1809 spielt im St. Johanner Bärenwirtshaus:

Im Oktober 1809 gesellte sich laut Überlieferung ein zwölfjähriger Knabe zu den in St. Johann stationierten Schützenkompanien, weil er bei der Verteidigung des Passes Strub mitkämpfen wollte. Einer der Schützen brachte den Knaben in die Gaststube des Bärenwirtes in St. Johann, wo der Oberkommandierende, Josef Speckbacher, sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Dieser erkannte in dem Knaben seinen Sohn Anderl und wollte ihm zunächst verbieten, an den Kämpfen teilzunehmen, doch schlussendlich gab er nicht ganz ohne Stolz den Bitten seines Sohnes nach, und Anderl kämpfte in den Reihen der Tiroler Schützen am Paß Strub sowie bei Melleck, wo er von den Bayern gefangen genommen wurde. Anderl Speckbacher wurde nach München überstellt und schließlich unter dem persönlichen Schutz des Bayerischen Königs Maximilian I. Joseph im Sinne der Aufklärung erzogen. Erst 1816 konnte Anderl Speckbacher wieder nach Tirol zurückkehren. Er arbeitete als Beamter bei verschiedenen Bergwerken und starb 1834 als k.k - Berg- und Hüttenverwalter von Jenbach.

Die Szene mit Speckbacher und seinem Sohn Anderl im St. Johanner Bärenwirtshaus wurde von Franz von Defregger in einem der berühmtesten Historiengemälde über den Tiroler Freiheitskampf verewigt. 

Nähere Informationen zu Josef und Anderl Speckbacher in St. Johann finden Sie unter "Journal" in der 14. Ausgabe unserer heimatkundlichen Schriftenreihe ->


Korporal Blasius Löschenbrand war für seinen Wagemut legendär
Feldmarschall Johann Gabriel Marquis de Chasteller, Kommandant des VIII. österreichischen Armeekorps in Tirol 1809

Über den Korporal Blasius Löschenbrand (1775 – 1849), der als besonderer Hitzkopf in die Chronik eingegangen ist, sind mehrere Geschichten überliefert. Er kämpfte 1796 an der schwäbischen Grenze, wurde wegen seiner Tapferkeit zum Korporal befördert und erhielt die kleine Tapferkeitsmedaille in Silber. 1797 stand er vor Rovereto, 1799 bei Kufstein, und 1800 in Unken, wo er seine Tapferkeit abermals besonders unter Beweis stellte. 1805 erhielt er eine zweite Tapferkeitsmedaille für seinen wagemutigen Einsatz am Paß Strub und 1809 kämpfte er bei Windhausen, am Schmiedberg, bei Waidring und in Unken.

Nach den Freiheitskriegen arbeitete Löschenbrand als Glasermeister in St. Johann in Tirol und hielt beim Besuch Kaiser Ferdinands I. im Jahre 1848 die Ehrenwache vor dem Zimmer des Kaisers im Dekanatspfarrhof. Dort hatte er auch die Ehre, mit dem Kaiser persönlich zu sprechen, wobei er laut Überlieferung vor Rührung mehr geweint als geredet haben soll. 1849 starb Blasius Löschenbrand im Alter von 74 Jahren.

Es ist überliefert, dass Blasius Löschenbrand 1809 bei Windhausen einmal die Langeweile plagte und er auf eigene Faust einen bayerischen Offizier erpirschen wollte. Als er drei bayerische Offiziere sah, schoss er auf sie trotz des strikten Schießverbotes. Die Schützenkameraden schrien ihm noch zu, dass Feldmarschall Chasteller anwesend sei, und dieser fragte auch sogleich, wer trotz des Schießverbotes geschossen habe. „Ich“, sagte Löschenbrand, und Chasteller schrie ihn an: „Verfluchter Kerl, also Du bist es, der ohne Kommando auf eigene Faust Feuer gibt. Auf der Stelle lass ich Dich hängen!“ Löschenbrand erwiderte: „Wieso gibt uns der Kaiser dann Pulver und Blei, wenn wir die verdammt Boarn nit derschiaßn dürfen?“ Chasteller gab den Schützen den Befehl, Löschenbrand an den nächsten Baum zu hängen, da aber niemand den Befehl befolgen wollte, griff der General selber nach der Pistole - aber auch Löschenbrand legte sein Gewehr auf Chasteller an, denn er dachte sich: mehr als sterben kann ich jetzt auch nicht mehr. So standen sich die beiden eine Weile gegenüber. Dann ließ der Feldmarschall langsam die Waffe sinken, kehrte um und galoppierte davon. Nachdem Löschenbrand von Major Wintersteller und Hauptmann Reischer belehrt worden war, hatte dieser Zwischenfall keine weiteren Folgen.


1809 erhoben sich die Tiroler gegen die bayerische Besatzungsmacht
Tiroler Standschützen 1809 (Ausschnitt aus dem Rundgemälde Innbruck)
Fähnrich 1809 (Ausschnitt aus dem Rundgemälde Innsbruck)
Die Ruine der 1805 und 1809 heiß umkämpften Grenzbefestigung am Paß Strub.
Das Freiheitskämpfer-Denkmal am Paß Strub

Jahre nach den Freiheitskriegen erzählte Löschenbrand dem Schriftsteller Peternader die Geschichte seiner großen Liebe:

Bei seinem ersten Einsatz 1796 zog er im Alter von 21 Jahren ins Oberland, wo er in Reutte Bekanntschaft mit einem Mädchen machte. Da dieses seine erste Liebe war, dachte er an nichts, als eine ewige, unwandelbare Treue und, so bald es sein könne, an Verehelichung.

Es waren drei wohlhabende Bürgerstöchter,“ erzählte er, „ich ein kräftiger, lustiger Bursche, hatte drei Tage und Nächte Zutritt, bekam überflüssig zu essen und zu trinken, ja sogar Geld erhielt ich von meinem Mädel. Sie war nicht schön, ja gerade die am wenigsten hübsche von ihren Schwestern; aber so gut, so edel und lieb, dass ich seither keine solche mehr fand. Ja kein Tag vergeht, dass ich nicht an sie denke.

Er erzählt weiters: „Einmal saß ich auf dem Bett neben meinem Mädel und wollte ihr ein Bussl geben, dies sah der im gegenüberliegenden Hause bequartierte Feldkaplan, Dr. Melchior Grießenböck, welcher schrie: „Kerl, laß ´s Dirndl gehen!“ Ich schloff vor Schrecken unter die Bettstätte, schlich mich dann in mein Quartier, musste am andern Tage eine derbe Ermahnung hören, versprach, das Busslgeben zu lassen, wogegen der Feldkaplan meinem Vater nichts zu melden versicherte. Er hielt auch Wort, aber ich war´s nicht imstande, denn sobald ich beim Dirndl war, vergaß ich auf den Feldkaplan, auf mein gegebenes Wort, auf einen Vater und selbst auf den Feind. Sehr unangenehm war mir daher der Befehl zum Nachhausemarsch. Und während des ganzen Marsches war meine Phantasie mit meiner Geliebten beschäftigt.

Kaum zu Hause angekommen, erhielt ich schon einen Brief von meinem Dirndl, den ich wohl tausendmal las, aber bei meiner schlechten Schrift und meinem noch schlechteren Konzept nicht zu beantworten getraute. Ich ging daher zum Schulmeister, und vertraute ihm meine Herzensangelegenheit an, bat ihn um Beantwortung dieses Briefes, denn ich wusste, außer der Geistlichkeit im ganzen Orte niemanden, der so gelehrt gewesen wäre und dem ich die Beantwortung dieses, für mich so wichtigen Briefes hätte übertragen können. Der Schulmeister las bedachtsam den Brief, schüttelte den Kopf, schien eine Weile nachzudenken, dann sagte er: „Komm am Sonntag, dann will ich schon sehen, was zu antworten ist!“ – Ich durfte nicht widersprechen und war auf den steifen, gefühllosen Schulmeister recht böse, hatte hierzu auch Ursache, denn anstatt zu antworten, übergab er den Brief meinem Vater.

Mein Vater, den Brief in der Hand haltend, fing über meinen Feldzug mit mir ein strenges Examen an. Dann zerriss er den mir unschätzbaren Brief, nahm einen Stock und prügelte mich wacker durch, als wenn sich die Liebe heraus prügeln ließe. Nebstbei bedeutete mir mein Vater, dass ich noch viele Jahre nicht ans Heiraten denken dürfe, dass er mir eine fremde Person schon gar nie gestatte, daher ich mein Verhältnis nur schnell aufgeben solle, und er mich verstoßen und enterben werde, wenn ich nochmals an solche sündhaften Sachen denke. „Ich habe dich zur Verteidigung des Glaubens und Vaterlandes ausgeschickt und du machst mir solche Lumpereien! Aber warte, Kerl, ich will dir diese Sachen vertreiben; denn lieber ist es mir, du stirbst, als dass du in deiner heidnischen Bekanntschaft verharrst. Übrigens hat der Schulmeister deinem sauberen Dirndl schon geantwortet, und der brauchst du so nichts mehr zu schreiben.

Ich schwieg und musste wohl schweigen, denn jede Antwort hätte mir eine Tracht Schläge eingetragen, aber im Herzen schien mir nicht, dass ich Unrecht hatte. Denn mein Avancement zum Corporalen, die silberne Medaille und der Dukaten sagten mir, dass ich meine Schuldigkeit getan hatte. Meine Liebe schien mir nebstbei nicht sündhaft, weil ich dabei die redlichsten Absichten hatte und das Mädchen heiraten wollte. Mir kam das Benehmen meines Vaters und des Schulmeisters recht kurios vor und ich konnte gar nicht begreifen, dass eine so engelreine Liebe eine Sünde sein könnte, vielmehr meinte ich, Gott selbst habe diese Liebe geschickt und mit Wohlgefallen herabgesehen, wie wir diesen Bund schlossen; denn mir ward nie so wohl, nie so warm um´s Herz, nie war ich so zufrieden, als damals, wo ich mich als den glücklichsten Menschen auf Erden betrachtete. Ich schrieb daher selbst an mein Mädchen, so gut ich konnte, erzählte ihr meine Leiden und schwur, ihr ewig treu, und lieber ledig zu bleiben, als einer anderen die Hand zu geben. Mit leichten Füßen, voll Freude und Wonne zerschmelzend, flog ich mit meinem Briefe zum Postamte, dort das mir so gewichtige Papier übergebend. Allein der Postmeister, ein Kamerad meines Vaters, gab den Brief demselben – ich wurde dafür mit einem Strick gepeitscht, dann drei Tage in eine Kammer gesperrt, und nur mit Wasser und Brot traktiert.

Ich, der stets ein großer Freund des Essens war, musste nun hungern, welches mir sonst meiner Lebtag das unliebste Geschäft war; doch ergab ich mich geduldig, denn ich konnte da ungestört mit meinem Dirndl phantasieren. Am dritten Tage wurde ich von meiner Gefangenschaft entlassen, zu meinem Seelsorger geführt, der mir eine lange Predigt hielt. Und zum Schlusse bedeutete, dass er mich über Nacht in die Totenkammer sperren lassen wolle, wenn er von dieser Sache nochmals etwas erfragen sollte. Denn wenn ich nicht gehorchen wolle, sei kein Schade um mich, wenn mich die Geister zerreißen. Von den Geistern hatte ich gar am meisten Respekt, ich wagte es nicht, nochmals zu schreiben, sondern trauerte im Stillen über mein hartes Geschick, und wiederholte seufzend meine Schwüre der ewigen Treue. Mein Trost war: Gott hat mir das Mädel verschafft. Er will uns nur prüfen, ob wir einander würdig sind und wird uns schon noch zusammenführen.

In dem drauf folgenden Frühjahre kam wieder Nachricht, dass das Vaterland in Gefahr sei; mein Vater ließ mich in die in das Etschland abgehende Scharfschützenkompanie von Kitzbühel, welche der Hauptmann Schlechter befehligte, einreihen, und sagte meinem Hauptmann, dass er mich sogleich nach Hause senden solle, wenn die Kompanie etwa nach Oberinntal marschieren müsste. Ich hatte daher keine Hoffnung, mein Dirndl zu sehen, sosehr ich anfänglich daran dachte, und deshalb mit größter Freude den Stutzen ergriff. Von diesem Feldzuge weiß ich, nach so langer Zeit, nur das, dass wir im Etschland mit den Republikanern öfters in Kampf kamen, selbe über Roveredo verfolgten, aber weiter vorzugehen keine Erlaubnis erhielten, obschon wir voller Passion den Feind auch außerhalb Tirol aufgesucht und vernichtet hätten. Ich war aber leicht tapfer, denn auf der einen Seite war ich für den Kaiser und diesen heiligen Kampf voller Begeisterung, auf der anderen Seite war mir ohne mein Dirndl das Leben zur Last geworden.

Im Jahre 1805 erhielt mein Vater von einer Schwester meines Dirndl einen Brief, dass er nun ganz unbekümmert sein könne, denn selbe sei an der Abzehrung (Schwindsucht) gestorben.

Bei den nachfolgenden Kampfhandlungen (1805 am Paß Strub) erwies sich Blasius Löschenbrand, der nach besagter Nachricht zunächst eine Zeit lang krank vor Liebeskummer war, als ausgesprochen wagemutiger und todesverachtender Held.