Euscorpius germanus wird nur zwischen 1,5 und 3,5 cm groß
Die Skorpionvitrine im Museum St. Johann in Tirol

DER SKORPION VOM KAISERGEBIRGE


Im Rahmen des Ausstellungsschwerpunktes "felsenreich - Mythos und Erlebnis Kaisergebirge" präsentieren wir Euscorpius germanus. Dieser Skorpion ist äußerst selten und wohl auch so unbekannt, dass er nicht einmal einen deutschen Namen bekommen hat.

Dank einer Leihgabe des Naturhistorischen Museums Wien können wir zwei Exemplare dieser winzigen Tiere in unserem Museum ausstellen. Da diese Skorpionart nur bis ca. 3,5 cm groß wird, präsentieren wir auch ein vergrößertes Modell von Euscorpius germanus.

Die Tiere verfügen über große Scheren und einen dünnen Schwanz, an dessen Ende sich, wie bei allen Skorpionen, ein Giftstachel befindet. Für Menschen ist das Gift jedoch ungefährlich. Die Schmerzen sind etwa mit einem Bienenstich vergleichbar. Der Skorpion vom Kaisergebirge ernährt sich von Insekten und Spinnen und jagt nur nachts. Die Tage verbringt er vor Austrocknung geschützt in Felsspalten oder unter Steinen versteckt. Er ist so lichtempfindlich, dass er sogar bei Vollmond in seinem Versteck bleibt.

Ganz unten in der Vitrine weisen wir auf das "Wundermittel" Skorpion-Öl hin, das jahrhundertelang gegen alle möglichen Krankheiten verwendet wurde. Dazu wurden 100 – 300 lebende Skorpione in Olivenöl ertränkt. Dieser Vorgang sollte die heilsamen Stoffe ins Öl befördern.

Das Skorpion-Öl „kurierte“ äußerlich angewendet: Nierensteine, Ausschlag, Fieber, Tollwut, Schlangenbisse, Syphilis, die Pest, Vergiftungen, Viehkrankheiten und vieles andere. Durch die hohe Nachfrage an Skorpionen kam es zu einem regen Handel aus Kärnten und der Steiermark, wo die Tiere weiter verbreitet waren.

Hier geht's zu einem historischen Rezept für das Skorpion-Öl.

Weitere Informationen zu diesen seltenen Tieren finden Sie in der 22. Ausgabe unserer heimatkundlichen Schriftenreihe "Zwischen Kaiser, Kalkstein und Horn" --> zur Ausgabe 22