Die beiden Galeristen: Obmann Armin Rainer (links) und Geschäftsführer Peter Fischer.
Die ausgestellten Stilleben stammen aus der Sammlung von Friedhelm Capellari
Friedrich Plahl - Stillleben mit Messer
Wolfgang Capellari (links) hielt bei der Vernissage am 7. März die einführenden Worte.
Zwei Stillleben in rot und grün - zum Vergrößern bitte anklicken
Zwei Stillleben (mit Karotten und Quitten)

AUSSTELLUNGEN IN DER GALERIE


Im Obergeschoß des Museums befindet sich unsere Galerie, in der wir ausgewählte Ausstellungen präsentieren.

Unsere aktuelle Ausstellung

Friedrich Plahl: Stillleben "Runde Ecken"

Die Ausstellung zeigt Stillleben-Bilder des in Kitzbühel geborenen Malers Friedrich Plahl aus Privatbesitz. In seinem umfassenden Werk sind Stillleben ein Rückzug in die Nahwelt. Die Obstschüssel als Welt, kein Glas, keine Glanzlichter, dafür eine intensive Farbwelt, ein Aufleuchten aus dem Dunkel oft auch aus Schwarz.

Plahl wurde 1926 in Kitzbühel geboren und lebte in Wien und der Steiermark. Aufenthalte in Kitzbühel und viele Malreisen in ganz Europa und den USA prägten sein Leben und seine Arbeit, die er bis zuletzt verfolgte. 2018 starb er in hohem Alter.

Zu sehen sind expressive Ölbilder und Pastelle in starken Farben und altmeisterlich feine Bleistiftzeichnungen und Radierungen. Malerischer Ausgangspunkt und Inspiration waren Früchte wie Granatäpfel und Quitten, Gemüse wie Auberginen und Artischocken sowie Blumen. Dabei entwickelte er in den 1990er Jahren eine prägnante, fast quadratische Bildform – ein Blick in eine Obstschüssel –, die formal an sein abstraktes Werk der 1960er und 70er Jahre anknüpft.

Die fenstergroßen Stillleben gehen eine anregende Wechselbeziehung zur Architektur des Museums St. Johann ein. Die ausgestellten Werke befinden sich in Privatbesitz.

Friedrich Plahl studierte bei Sergius Pauser und Herbert Boeckl an der Akademie der Bildenden Künste in Wien sowie an den Kunsthochschulen von Paris, Tucson (Arizona) und San Francisco.

In dieser Ausstellung werden ausschließlich Stillleben gezeigt. Die meisten davon malte Plahl in der engen Küche, ganz ohne Sonne mit einem gebrochenen Licht, wie es in keinem anderen Raum seiner Wohnung zu finden war – oft an Wintertagen erwies sich dieses Licht aber als perfekt.

Link zur Homepage über Friedrich Plahl ...->

Öffnungszeiten: Mi. und Do.: 16 – 18, Sa.: 10 – 12 Uhr sowie auf Anfrage, Tel.: 05352 6900 213. Ausstellungsdauer bis 30. März 2019.


Wolfgang Capellari über die Ausstellung:

Die zu sehende Ausstellung ist Frucht einer persönlichen Beziehung. Mein Vater, Friedhelm Capellari aus Kitzbühel, war ein langjähriger Freund und Sammler des Malers. Die ausgestellten Werke entstammen seiner Sammlung.

Selbst Maler, kenne ich einige dieser Bilder seit meiner Kindheit. Das ungegenständliche Aquarell beispielsweise deutete ich als Kind als Fernseher mit Sendestörung. Wie das Bild hatten die Fernsehapparate dieser Zeit abgerundete Ecken, da die Röhre ein gerundeter Glaskörper war. Für den Maler ist diese Form der Übergang vom viereckigen Außenrand zum inneren Rund. Und genau diese Form nimmt Friedrich Plahl in den 1990er Jahren in seinen gegenständlichen Stillleben der Obstschale wieder auf. In seiner abstrakten Phase gab es also im Inneren noch einen informellen Rohzustand, eine Art lebendes Chaos, das sich 30 Jahre später dann in einen „Früchte-planetenkosmos“ oder eine „Gemüseplanetenkonstellation“ verwandelt. Medienkommunikativ ausgedrückt: ein Fernsehprogramm mit lebendem Standbild. Malen ist Leben.

Doch Friedrich Plahl war ein viel zu variantenreicher und vielseitiger Maler, als er dabei geblieben wäre. Zwar werden hier in der Ausstellung nur seine Stillleben gezeigt, doch auch Figuren und besonders Landschaften haben ihn sehr beschäftigt. Pablo Picasso war für ihn und seine Generation eine wichtige Referenz. Und Plahl hat sich gerade auch deshalb viel mit Landschaft auseinandergesetzt, weil diese ein Feld war, das bei Picasso unbesetzt geblieben ist.

Wenn es „Stillleben“ heißt, dann würde ich bei Plahl sagen: mehr „Leben“ als „still“. Seine Auswahl an dargestellten Objekten zeigt meist Lebendiges: Früchte wie Granatäpfel, Quitten, Birnen, Orangen; Gemüse wie Auberginen und Karotten, zudem Blumen. (Und dabei vermeidet er delikate Glanzlichter.)

Seine Malerei geht von der Kraft der Farben und ihren Beziehungen zueinander aus, und seine Malweise ist oft eine heftige, ja das Gestische betonende. Im Hinblick auf die Zeichnungen ist die technische Vielseitigkeit zu betonen: hier die fast altmeisterlichen Bleistiftzeichnungen und Radierungen besonders der 1970er und 80er Jahre, dort die späteren wilderen Tuschpinselzeichnungen.

Friedrich Plahl hat sich in seiner Wiener Wohnung von den Früchten und Gemüsen in der Küche inspirieren lassen, und interessanterweise war es dabei oft das graue Licht trüber Tage, das ihn mehr anregte als das Sonnenlicht, das er für seine Landschaften so sehr brauchte.

Für Plahl und seine Generation war die Frage, ob gegenständlich oder abstrakt, eine ganz grundsätzliche, ja fast eine Glaubensfrage: Dafür steht das größere Bild in den drei Grundfarben. Es entstand Anfang der 1960er Jahre und war das letzte vor seiner abstrakten Phase. Es erinnert noch an die Boecklsche Spachteltechnik, die sich Flächigkeit und Raum zunutze macht.

Wolfgang Capellari

 



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